Der Wochenendvater

Infos zu Scheidung, Trennung, Unterhalt, Kinder

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Archiv: Mai 2006

Noch ist nicht klar, warum aus einem 16-jährigen Berliner ein Amokläufer wurde. In der “Welt” findet sich ein Psychogramm des Jugendlichen. Und, klar – er stammt aus einem zerrütteten Elternhaus: “Die Eltern trennen sich, und Mike zieht mit einem jüngeren Bruder und der Schwester zu seinem Vater nach Neukölln. Seit diesem Zeitpunkt hat er kaum noch Kontakt zur Mutter”, schreibt der Autor und weiß: “Mike leidet unter der Trennung und findet sich nur langsam in der neuen Umgebung zurecht.” Klar leiden Kinder unter einer Trennung. Aber laufen sie dann gleich Amok?

Leidet eine Mutter nach der Geburt ihres Kindes unter Depressionen, sollte man auch einmal den frischgebackenen Vater nach seiner Befindlichkeit fragen. Gar nicht selten geht der “Baby-Blues” der Mutter mit einer väterlichen Depression einher. Fast jeder zehnte Vater soll davon betroffen sein. [Medical Tribune]

Manchmal gibt es einen Unterschied zwischen gesundem Rechtsempfinden und tatsächlicher Rechtssprechung. Nun aber hat das Frankfurter Oberlandesgericht (OLG) ein Urteil in einem Unterhaltsprozess gefällt, das beide Seiten (gesunder Menschenverstand und Juristerei) wieder zusammenbringt:

Ein Vater, der mit einer neuen Partnerin eine Haushaltsgemeinschaft gründet, muss keinen höheren Unterhalt für sein Kind aus einer früheren Beziehung bezahlen. Selbst wenn er dadurch Kosten spare. Das berichtet die Zeitschrift “OLG-Report” unter Berufung auf ein Urteil (Az.: 2 UF 13/05) des OLG Frankfurt. Zunächst hatte das Amtsgericht den Vater zu höheren Unterhaltszahlungen verdonnern wollen, weil er ja nun über mehr Geld verfüge. Das OLG kassierte dieses Urteil. Seine Begründung: Der Vater hätte ja auch nciht mehr Unterhalt berappen müssen, wenn er in eine billigere Wohnung gezogen wäre.

In folgendem Urteil ist wohl von einer getrennt lebenden Mutter die Rede, macht aber nix: Das Saarländische Oberlandesgericht hat entschieden, dass auch eine Umschulung als “Bemühen um Arbeit” gewertet werden kann. Und das heißt: Der Unterhalt kann entsprechend reduziert werden. Das Familiengericht, so das OLG, hat in einem solchen Fall zunächst zu prüfen, ob “die berufliche Rehabilitation zweckmäßig ist”. [valunet]

Elternzeit für Männer – die Akzeptanz der Väter, eine berufliche Auszeit für Kinder zu nehmen, wächst. Doch auch der Arbeitgeber muss mitspielen. Eine Umfrage des Handelsblatts zeigt, dass das Bewusstsein in den Dax-30-Unternehmen hinsichtlich dieser “neuen Väter” höchst unterschiedlich ausgeprägt ist.
Etliche Firmen tun sich noch schwer mit der neuen Familienpolitik. Als “Propaganda-Lügen” bezeichnet Eva Engelken die publikumswirksame familienfreundliche Präsentation vieler Unternehmen. Und weiter: “Zwischen dem Bekenntnis zur Familienfreundlichkeit und der tatsächlichen Umsetzung familienfreundlicher Maßnahmen durch flexible Arbeitszeiten klaffen oft Welten.”

Jetzt haben es auch die Konservativen bei den Eidgenossen entdeckt: Die CVP (Christlichdemokratische Volkspartei der Schweiz), macht sich Gedanken zur Männerrolle in der Familie und will mehr Männer am Herd sehen. Damit appelliert die CVP an die Wirtschaft, Vätern Teilzeitarbeit zu erleichtern, damit auch sie sich der Haus- und Familienarbeit widmen können und so den Frauen Berufsarbeit ermöglichen. [NZZ]

Frauen können laut einer neuen Studie aus dem Gesicht eines Mannes ablesen, ob er kinderlieb ist. Intuitiv erkennen Frauen, ob Männer offen für Kinder sind und wie hoch der Testosteronspiegel des Gegenübers ist. [krone.at]

Die Zeit nach einer Scheidung ist oft mit der Trauer um einen verstorbenen Angehörigen vergleichbar. Dies gelte zumindest für den verlassenen Partner, sagt Christa Roth-Sackenheim. Die Psychitherapeutin ist Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater: “Wer verlassen, enttäuscht oder betrogen worden ist, erleidet ein kleines Trauma.”

In einer ersten Phase herrsche Überraschung vor: “Man kann das zunächst gar nicht glauben.” Später stelle sich Wut, Traurigkeit und Selbstmitleid ein. In einer dritten Phase folge dann eine Stabilisierung. Ein “gesund” verlaufender Trauerprozess dauere in der Regel mindestens ein Jahr. “Dann hat man alle Jahrestage wie Geburtstage oder Weihnachten einmal ohne den Partner erlebt.” [ksta]

Das Familienleben der Deutschen wird zunehmend von alternativen Formen bestimmt. Statt Ehepaaren mit Kindern zählen die Bundesstatistiker immer mehr nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern sowie allein erziehende Mütter und Väter. Ihr Anteil beträgt mittlerweile 1,6 Millionen in den alten Bundesländern. Das enstpricht einem Zuwachs um ein Drittel in den vergangenen zehn Jahren. [destatis]

Das Bundesfamilienministerium geht in die Offensive: Es stimme nicht, dass über 300.000 Familien in Deutschland durch die Neuregelung des Elterngeldes schlechter gestellt würden. Vielmehr profitierten über 360.000 Familien von dem neuen Gesetz – vor allem Familien mit kleinem oder mittlerem Einkommen. Das Ministerium schreibt: “Für Geringverdiener gilt: Haben diese vor der Geburt weniger als 1.000 Euro netto im Monat verdient, wird das Elterngeld als Ersatzrate abhängig von konkreten Verdienst auf bis zu 100 Prozent angehoben. Wer 400 Euro verdient hat, erhält 388 Euro Elterngeld.” Mehr in der Pressemitteilung des Ministeriums.


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