Der Wochenendvater

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Archiv: Januar 2007

Es brechen konservative Zeiten an: Die Bedeutung der Familie ist für die Deutschen laut einer Umfrage enorm gestiegen. Fast 80 Prozent finden eine starke Familienbindung wichtig – fast zehn Prozent mehr als vor zehn Jahren. Diese Zunahme an Wichtigkeit zieht sich übrigens durch alle gesellschaftliche Schichten und soziale Milieus. So steht’s in der aktuellen Zeit. [presseportal]

Kann ein ungelernter Arbeiter in Deutschland seine Unterhaltspflichten erfüllen? Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt hat da so seine Zweifel. Denn der Stundenlohn liege bei solchen Arbeitskräften deutlich unter zehn Euro. Damit seien sie allenfalls in der Lage, sich selbst zu ernähren, und könnten nicht noch ihren Unterhaltspflichten nachkommen (Az.: 5 UF 171/06).
In dem bereits im September letzten Jahres verhandelten Fall hat das Gericht es abgelehnt, einer Minderjährigen Prozesskostenhilfe für eine Unterhaltsklage gegen ihren Vater zu bewilligen. Das OLG sah für die Klage keine Erfolgsaussichten. Ein ungelernter Arbeiter müsse einen Stundenlohn von mindestens zehn Euro haben und 170 Stunden im Monat arbeiten, um seine Unterhaltspflichten erfüllen zu können, stellten die Richter fest. Und weiter: In der wirtschaftlichen Realität der Bundesrepublik sei dies jedoch nicht der Fall.

Der Vater als Ernährer der Familie hat noch immer nicht ausgedient, aber längst gibt es eine breite Vielfalt von „neuen“ Vatertypen. Die gesellschaftlichen Erwartungen an den „zeitgemäßen“ Vater sind hoch: Er soll sich aktiv, kompetent und emotional in der Kindererziehung engagieren und zudem partnerschaftlich Einsatz zeigen. Am Frankfurter Institut für Sozialforschung haben die Soziologen Andrea Bambey und Hans-Walter Gumbinger untersucht, wie sich die Rolle des Vaters gewandelt hat und wie sich dies auf die Familienkonstellation auswirkt. Sie sind vor allem auf drei Typen von neuen Vätern gestoßen: den fassadenhaften, den randständigen und den egalitären Vater. Mehr bei Psychologie Heute…

Der Leidensdruck allein lebender Männer scheint höher zu sein als der von Single-Frauen. Das lässt sich jedenfalls aus einer Umfrage von ElitePartner herauslesen. Demnach gaben 16 Prozent der befragten Männer an, für eine neue Beziehung ihre alten Freundschaften aufzugeben oder zumindest sie schleifen zu lassen. Das würden jedoch nur 7 Prozent der Frauen tun. “Frauen sind mit ihrem Singledasein oft zufriedener als Männer”, sagt dementsprechend auch die Psychologin Lisa Fischbach. Ihre Erklärung: “Sie definieren Nähe und Bindung nicht ausschließlich über eine Partnerschaft, sondern finden auch in engen Freundschaften emotionalen Austausch.” [PH]

Die CDU will das bisherige Ehegatten-Splitting abschaffen zugunsten eines neuen Eltern-Splittings. Recht fortschrittlich für die Partei mit dem großen C. Und was passiert? Der Koalitionspartner SPD mag nicht so recht mitgehen und meckert: Das sei “keine sozial ausgewogene Familien- und Steuerpolitik”. Dabei ist es für eine Reform höchste Zeit. Denn heute tickert über die Agenturen, dass – wen wundert’s? – immer mehr Kinder unehelich geboren werden. Laut Statistischem Bundesamt hat fast jedes dritte Kind keine miteinander verheirateten Eltern. Also ihr Damen und Herren Politiker: Setzt euch hin und tut was!

Kann eine allein stehende Mutter wegen der Betreuung eines ehelichen und eines nichtehelichen Kindes nicht arbeiten, müssen die beiden Väter anteilig für den durch die Betreuung der Kinder bedingten Unterhaltsbedarf der Mutter aufkommen. Für die Höhe des Unterhalts sei in beiden Fällen die Lebensstellung der Mutter maßgeblich. So urteilte jetzt der Bundesgerichtshof. Auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des nichtehelichen Vaters komme es nicht an. Mehr bei Valuenet…

Die Schweizer wachen auch langsam auf. “Die Behörden vertreten einseitig die Rechte der Mütter, das ist ein unerträglicher Zustand”, klagt Michel Craman, Vorsitzender des Zürcher Vereins Mannschafft, dem über 600 getrennte und geschiedene Väter angehören.  Unterstützung erhält er vom Kinder- und Jugendpsychologen Allan Guggenbühl vom Institut für Konfliktmanagement und Mythodrama: “Getrennte Väter können eine Beziehung zum Kind nur aufrechterhalten, wenn die Mütter kooperieren.” Oft würden sie dies aus Rache oder Verletztheit verweigern.  [20min]

Für zerschlissene Ehen ist die Trennung ein Befreiungsschlag, für die Kinder ein Schicksalsschlag. Ihr Seelenschmerz galt bisher als unvermeidbar. Langzeitstudien belegen nun verblüffend deutlich das Gegenteil: Entscheidend ist der Umgang der Eltern – mit sich und den Kindern, schreibt der Stern in einem lesenswerten und umfangreichen Dossier.
“Im Schnitt sind Trennungskinder langfristig weitaus weniger auffällig als Kinder aus Konfliktfamilien. Und zwar in jeder Hinsicht”, sagt Sabine Walper vom Lehrstuhl für Pädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Über sechs Jahre begleiteten Wissenschaftler in einem von der Münchner Professorin koordinierten Forschungsprojekt in verschiedenen Regionen Ost- und Westdeutschlands alleinerziehende Mütter oder Väter, außerdem Stieffamilien und – zum Vergleich – stabile sowie zerstrittene Normalfamilien. Das Ergebnis: “Wir konnten bei Scheidungskindern mehrere Jahre nach Trennung der Eltern im Vergleich zu ihren Altersgenossen in traditionellen Kernfamilien keine generellen Nachteile erkennen, weder in der Persönlichkeitsentwicklung noch in der sozialen Kompetenz. Die Mehrheit hatte ein neues Gleichgewicht gefunden.” [stern]

Was der VafK hier in Deutschland ist die “mannschafft” in der Schweiz: Ein Verein, der Vätern hilft, die von Trennung und Scheidung betroffen sind. Nina Siegrist schreibt für die Schaffhauser Nachrichten über die neue Ortsgruppe des Vereins. [shn]

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist fest entschlossen, das Ehegattensplitting um eine Kinderkomponente zu ergänzen. Sie werde noch in diesem Jahr Vorschläge dazu machen, kündigte die Ministerin im Gespräch mit dem Handelsblatt an. “Unser Ziel ist es dabei, gezielt Familien mit Kindern mehr von ihrem selbstverdienten Einkommen zu lassen.” Dies sei auch gerechtfertigt. “Denn heute leben nur noch in 60 Prozent der Ehen mit Splittingvorteil Kinder unter 27 Jahren.” [Handelsblatt]


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