Der Wochenendvater

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Ein empfehlenswertes Ratgeber-Buch der Stiftung Warentest erklärt Internet, Handy und Co. Und zeigt Chancen und Risiken der  neuen Medien auf.

Kindheit 2.0

Kindheit 2.0

»Sitz nicht so viel vor dem Fernseher. Du machst dir die Augen kaputt!« Das hörten viele Kinder schon in den 70er-Jahren von ihren Eltern. Und heute? Da sind noch ganz andere Medien dazugekommen: »Sitz nicht so viel vor dem Computer!«, »Wo surfst du wieder hin?«, »Wem schreibst du permanent SMS?« »Du hast ja nur noch deine Spielekonsole im Kopf!« So sagen es viele Kinder von damals ihrem Nachwuchs heute.

Die Kindheit im neuen Jahrtausend ist geprägt von technischen Unterhaltungsgeräten – und ist damit auch nur ein Spiegel der Erwachsenen-Welt: In vielen Jobs gehört Bildschirmarbeit dazu, statistisch hat jeder erwachsene Deutsche mehr als ein Handy, und der Fernsehkonsum insgesamt bewegt sich, wiederum statistisch gesehen, zwischen 200 und 300 Minuten am Tag.

Das Buch »Kindheit 2.0« der Stiftung Warentest nähert sich dem Thema Kinder und Medien erfrischend vorurteilsfrei und regt, zumindest im Kapitel Fernsehen, den erwachsenen Leser immer wieder an, sich mal an seine eigene Kindheit zu erinnern – und seinen eigenen heutigen Medienkonsum kritisch zu betrachten. »In der Diskussion wird stets ausgiebig über die Kinder geredet, die Erwachsenen werden darüber meist vergessen«, sagt etwa der Schweizer Kinderarzt Remo Largo.

Sehr wohltuend: Der vorurteilsfreier Blick des Autors

Erziehung heißt eben auch, Medienkompetenz zu vermitteln. »Ein medienkompetentes Kind« beschreibt der Münchner Erziehungswissenschaftler Wassilios Fthenakis, »ist ein Kind, das angstfrei mit seiner medialen Umwelt umgeht, sich neugierig an diese Medien begibt und sie als Kooperationsebene mit anderen begreift.« Das aber auch selbstbestimmt abschaltet und sagt: »Jetzt mache ich etwas anderes.«

Doch um Medienkompetenz zu vermitteln, müssen Eltern eigene Medienkompetenz aufbauen. Können die meisten beim Fernsehen noch auf eigene Kindheits-Erfahrungen zurückgreifen, sieht das beim Thema Handy, Computer und Internet ganz anders aus.

Hier gibt das Buch mannigfaltige Hilfestellung. Es gibt Software-Tipps sowie Entscheidungshilfen und zeigt grafisch umgesetzte Ergebnisse aktueller Studien. Außerdem erklärt es die Technik von Computern, Konsolen und Handys, zeigt die Risiken des Internets, aber auch die vielen, kreativen Möglichkeiten. Genau dieser unvoreingenommene Blick macht den Charme des Ratgebers aus. Schließlich bieten Soziale Netzwerke und Plattformen wie Flickr oder YouTube auch viele Möglichkeiten, eigene Kreationen – Videos, Fotos, Musik – unter die Leute zu bekommen.

Die Kinder ernst nehmen

Immer wieder kommen Experten zu Wort. Wenn der Mainzer Medienpädagoge Stefan Aufenanger sagt, »schon Grundschulkinder können bei medialen Darstellungen zwischen Realität und Spiel unterscheiden«, wirkt eine solche Aussage erst mal recht entlastend für Eltern, die Angst um die Entwicklung ihrer Kinder haben. »Haltet den Ball flach« wäre ein passender Untertitel für das Buch. Aber auch: »Eltern, kümmert euch um eure Kinder, interessiert euch für sie, nehmt sie ernst und haltet euch bei Neuen Medien auf einem einigermaßen aktuellen Stand!«

Durch einen solchen differenzierten Blick nimmt das Buch viel Aufgeregtheit aus dem Thema. Einem Thema, das brisant ist, einem Thema aber auch, dessen öffentliche Diskussion geprägt ist von oft unversöhnlichen, manchmal platten und einfach gestrickten Meinungen. (GEA)

Stiftung Warentest: »Kindheit 2.0. So können Eltern Medienkompetenz vermitteln«, 192 Seiten, 19,90 Euro. Jetzt bei Amazon kaufen

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Montag, 7. Juni 2010 und wurde abgelegt unter "Psycho und so". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

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